
Ein verlässlicher Mitarbeiter kann einen unzuverlässigen Ablauf gut aussehen lassen. Der Kunde erhält seine Antwort. Der Auftrag geht raus. Der Fehler wird entdeckt, bevor jemand ihn bemerkt. Nach aussen funktioniert das Unternehmen. Intern hat es wieder jemand gerettet.
Die erfahrenste Person weiss, wo die aktuelle Datei liegt. Jemand im Vertrieb führt eine eigene Excel-Liste, weil die offiziellen Kundendaten unvollständig sind. Eine Projektleiterin erinnert alle an den nächsten Schritt. Der Inhaber erkennt aus Erfahrung, welche Zahl wahrscheinlich nicht stimmt.
Das sind keine schwachen Mitarbeitenden. Das sind fähige Menschen, die Arbeit auffangen, für die das Unternehmen noch keine verlässliche Arbeitsweise geschaffen hat. Der LinkedIn-Beitrag vom 13. Oktober, der diesem Artikel zugrunde liegt, fragt deshalb: Wo gleichen die besten Mitarbeitenden noch immer einen Prozess aus, der längst besser organisiert sein sollte? Entscheidend ist das Wort „noch“.
Das Ergebnis ist sichtbar. Die Rettungsarbeit nicht.
Viele Unternehmen messen, was am Ende herauskommt: versandte Angebote, ausgelieferte Aufträge, abgeschlossene Projekte, gestellte Rechnungen. Weniger sichtbar bleibt die Arbeit, die das Ergebnis überhaupt möglich macht. Einen Anhang suchen. Die gültige Preisliste prüfen. Eine Kundenadresse nochmals eingeben. Nachfragen, ob die Änderung freigegeben wurde.
Jeder einzelne Umweg wirkt klein und vernünftig. Zusammen entsteht ein zweiter Job unter dem eigentlichen Job. Die Projektleiterin führt nicht nur das Projekt. Sie betreibt auch das Erinnerungssystem, das es zusammenhält. Der Vertrieb verkauft nicht nur. Er repariert die Informationen, die er zum Verkaufen braucht.
Bezahlt wird diese Arbeit über Löhne, Unterbrechungen und verspätete Entscheidungen. Eine Rechnung mit der Position „vermeidbare Reibung“ erhält das Unternehmen nicht. Genau deshalb wird der Aufwand leicht übersehen.
Die besten Mitarbeitenden sollen ihr Urteil einbringen, nicht die fehlende Ablage des Unternehmens ersetzen.
Vor der nächsten Einstellung: Kapazität oder Reibung?
Manchmal fehlt tatsächlich eine weitere Person. Ein gesunder Auftragsbestand kann die Kapazität eines gut organisierten Betriebs übersteigen. Dann ist eine Einstellung sinnvoll. Eine weitere Person macht einen unklaren Ablauf aber nicht klarer.
Der neue Kollege braucht dieselben fehlenden Informationen, fragt dieselbe erfahrene Person und legt eine weitere eigene Liste an. Die Leistung steigt vielleicht. Gleichzeitig wächst der Abstimmungsaufwand. Die bisherige Schlüsselperson erklärt nun zusätzlich die Umwege, statt davon entlastet zu werden.
Prüfen Sie deshalb vor der Diagnose „Personalmangel“, was die Arbeitszeit bindet. Ist es echte Nachfrage, die mehr Kapazität braucht? Oder wiederkehrendes Suchen, Erinnern, Prüfen und Korrigieren? Oft ist es beides. Wer das nicht trennt, investiert an der falschen Stelle.
Einen echten Auftrag vom Anfang bis zum Ende verfolgen
Beginnen Sie nicht mit einem Softwarevergleich für das ganze Unternehmen. Wählen Sie einen wiederkehrenden Ablauf mit wirtschaftlicher Bedeutung: eine Anfrage wird zum Angebot, ein Auftrag zur Lieferung oder eine abgeschlossene Arbeit zur Rechnung. Gehen Sie einen konkreten, kürzlich bearbeiteten Fall mit den Beteiligten durch.
- 1.
Wo kommen die Informationen an?
Welche E-Mail, welches Formular, welcher Anruf oder welche Nachricht startet die Arbeit? Findet die nächste Person alles Nötige ohne Nachfragen?
- 2.
Wo liegt der gültige Stand?
Benennen Sie den verbindlichen Ort für Kunden-, Auftrags- oder Projektdaten. Ein Datensatz, dem niemand vertraut, erzeugt immer eine zweite Liste.
- 3.
Wer verantwortet den nächsten Schritt?
Klären Sie Verantwortung und Übergabe. Die Erinnerung einer hilfsbereiten Kollegin darf nicht der einzige Grund sein, warum der Auftrag weiterläuft.
- 4.
Was wird doppelt erfasst?
Suchen Sie wiederholte Eingaben und Abgleiche. Entscheiden Sie, welche Informationen zwischen Systemen weitergegeben werden müssen und welche gar nicht gebraucht werden.
- 5.
Wo entdeckt Erfahrung den Fehler?
Fragen Sie, was die erfahrene Person prüft und warum. Manche Prüfungen brauchen Urteil. Andere lassen sich durch eine klare Regel, ein Pflichtfeld oder eine einheitliche Berechnung vermeiden.
Es geht nicht darum, menschliches Urteil abzuschaffen. Kunden bringen Sonderfälle mit. Erfahrung bleibt wertvoll. Der Unterschied liegt zwischen einer sinnvollen Entscheidung und einer vermeidbaren Reparatur.
Erst einen wiederkehrenden Bruch beheben
Ein beispielhafter technischer Dienstleister: Seine Projektleiterin fragt jeden Nachmittag nach, ob Material angekommen ist und der Kunde die geänderte Leistung freigegeben hat. Die Antworten liegen in verschiedenen Postfächern. Das ist eine illustrative Situation, kein gemessenes Kundenergebnis.
Der erste Schritt ist die Vereinbarung, wo der Auftragsstatus geführt wird, wer ihn aktualisiert und welche fehlende Freigabe den nächsten Schritt blockiert. Erst danach lohnt es sich, den Eingang anzubinden, Folgeaufgaben zuzuweisen oder den Status übersichtlich darzustellen. Ein neues Projekttool ohne diese Vereinbarungen gibt dem Durcheinander nur eine neue Adresse.
Die Reihenfolge bleibt: Arbeit klären, digital unterstützen, im Alltag nutzen, nachbessern. Beginnen Sie dort, wo ein wiederkehrender Bruch besonders viel Aufmerksamkeit verbraucht oder die Lieferung gefährdet. Dafür muss nicht das ganze Unternehmen gleichzeitig umgebaut werden.
Prüfen, ob die Rettungsarbeit wirklich weniger wird
Halten Sie vor der Änderung über einen normalen Arbeitszeitraum fest, wie oft Informationen nachgefragt werden, wie lange Angebote warten, welche Daten doppelt erfasst werden oder wann der Inhaber denselben Fehler korrigiert. Das sind Beobachtungen aus Ihrem Betrieb, keine Branchenkennzahlen.
Prüfen Sie danach denselben Ablauf erneut. Kann ein anderer Kollege ihn ohne die Schlüsselperson erledigen? Ist der aktuelle Stand sichtbar? Ist eine private Liste verschwunden? Wird die abgeschlossene Arbeit zur Rechnung, ohne dass jemand daran denken muss?
Wenn nicht, ist die Lösung noch nicht verlässlich. Mehr Meldungen oder eine schönere Oberfläche ändern das nicht. Wenn ja, gewinnen qualifizierte Menschen Zeit für Kunden, Qualität und Entscheidungen, die ihre Erfahrung tatsächlich brauchen.
Gute Digitalisierung beginnt bei der Arbeit, die Menschen nicht mehr unnötig retten sollten.
Wo gleichen Ihre besten Mitarbeitenden noch immer den Ablauf aus?
Wenn fehlende Informationen, doppelte Erfassung und ständiges Nachfassen zum Alltag gehören, beginnen Sie bei der Arbeitsweise Ihres Betriebs. Unser kostenloser Digital-Readiness-Check ist ein Ausgangspunkt für dieses Gespräch, kein Versprechen, dass ein weiteres System alles löst.
Kostenlosen Digital-Readiness-Check startenQuellen und redaktionelle Referenzen
Redaktioneller Ausgangspunkt: der für diesen Artikel bereitgestellte LinkedIn-Beitrag vom 13. Oktober 2026 mit dem Beginn „Wenn gute Mitarbeitende täglich schlechte Prozesse ausgleichen ...“. Die praktischen Fragen und der beispielhafte Ablauf entwickeln diesen Gedanken weiter. Es werden keine Studienzahlen oder gemessenen Kundenergebnisse behauptet.
Dieser Artikel ist unsere eigene Analyse. Der bereitgestellte Beitrag wird als Ausgangspunkt genannt. Etwaige Rechte Dritter verbleiben bei den jeweiligen Rechteinhabern.

Hasan Hasić
Hasan Hasić ist Gründer und Business Advisor bei wis.dom|bridge™. Er hilft Inhabern, unternehmerische Prioritäten mit klaren Verantwortlichkeiten, verlässlichen Abläufen und praktischen digitalen Verbesserungen zu verbinden.

